Ich will vorab sagen das ich weiß das die Angestellten nichts dafür können, das sie vermutlich unterbesetzt und überarbeitet sind. Vermutlich auch unterbezahlt.
Aber ich komme nicht umhin darüber zu staunen wie unterschiedlich ich in diesen beiden Krankenhäusern behandelt wurde.
Relevanter Kontext:
I'm Januar hatte ich einen Recht großen operativen Eingriff im Uniklinikum (großer schnitt, große Gewebeentnahme, lange Erholungsphase) und kürzlich hatte ich einen kleineren Eingriff im Klinikum St. Georg (minimalinvasive Methode, 4 kleine Schnitte, Erholungsphase ca. 1 Monat).
Beide Eingriffe erforderten einen Stationären Aufenthalt für ein paar Tage, beide schränkten meine Bewegungsfreiheit ein, beide Eingriffe waren mit spürbaren Schmerzen hinterher verbunden, die ich etwa gleich schlimm einschätzen würde.
Die Behandlung danach war jedoch sehr unterschiedlich!
Das Aufwachen nach der OP im Uniklinikum war in etwa so angenehm wie es eben hätte sein können: natürlich noch völlig zugedröhnt mit Schmerzmitteln und den Nachwirkungen der Narkose, waren meine Sinne nicht wirklich beisammen. Aber regelmäßig kam eine Schwester in mein Zimmer um zu schauen ob ich ansprechbar war. Dann wurde mir mitgeteilt das soweit alles gut verlaufen ist, das die Chirurgen sehr zufrieden mit dem Ergebnis waren und das ich nur den Knopf am Bett betätigen müsse, sollte ich Fragen haben oder irgendwas brauchen. Und damit meinte sie wirklich *irgendwas*. Mein Handy aus dem Rucksack holen damit ich meine Familie informieren konnte, mehr Wasser zum trinken, meine Tabletten aus dem Schrank, mehr Schmerzmittel, ein offenes Fenster für frische Luft... Und das war keine Intensivstation. Ich war auf der ganz normalen Station die eben zu der chirurgischen Fachrichtung gehörte.
Im St. Georg... Naja. Ich war eine ganze Weile (ca 1,5 Stunden, falls ich die Uhr in dem Zustand richtig las) alleine Wach, ohne das jemand kam. Als mir die Schmerzen dann doch ein bisschen zu stark wurden und ich aufs Klo wollte, habe ich schließlich den Knopf zum Rufen des Personals gedrückt. Ich wusste schließlich nicht mal, ob ich selbstständig auf die Toilette durfte.
Als die Schwester kam war sie erbost, das ich sie für ein paar Fragen, Schmerzmittel und einen Klobesuch gerufen hatte. Okay, der Knopf hier ist nur für absolute Notfälle, schon verstanden. Aber wie sollte ich sonst kommunizieren das ich Hilfe brauchte, wissen wollte ob die OP ok verlaufen war und nach etwas für die Schmerzen fragen? Zumal mir die Schwester dann auch gleich sagte das ich erstmal nicht allein rumlaufen darf. Zum Verlauf der OP sollte ich den Arzt am nächsten Tag fragen - keine sehr hilfreiche Antwort, wenn man sich in dem Moment sorgen macht. Alles in allem ein sehr schroffer und nicht besonders hilfreicher Umgang, zumal ich ja auch noch nicht richtig meine Sinne beisammen hatte. Außerdem sollte ich für den ersten Tag nur mein OP-Hemd tragen was dazu führte das ich auch nach ein paar Stunden nicht wirklich zu den Schwestern auf dem Gang kommen konnte - jedenfalls nicht ohne allen Anwesenden meinen nackten Hintern zu zeigen, und da auf besagtem Gang noch mehr Stationen und Abteilungen lagen waren da viele Leute dabei die nicht zum Personal gehörten. Ein ganz klares "Nope" von mir dazu, also bin ich letztlich viel früher aufgestanden als ich wohl sollte um aufs Klo zu gehen, Wasser aus dem Wasserhahn zu trinken und mir mein Handy zu holen und meiner Familie bescheid zu sagen (meine OP war 07:00, ich konnte meine Familie erst 17:00 erreichen, hätte ich noch länger gewartet wäre vermutlich bald einfach jemand im Krankenhaus aufgeschlagen um nachzufragen).
Im UKL waren sowohl mein Bett als auch mein Körper sauber als ich erwachte. Abgesehen von dem Verband und den Ports im Arm sprach äußerlich nichts dafür, das ich gerade operiert worden war. Um die operierte Stelle herum war ich gereinigt worden und mein Bett war tadellos sauber.
Die Pflaster um die Zugänge in meinen Händen wurden regelmäßig überprüft und gewechselt, wenn sie sich zu sehr ablösten. Kam bei Gabe der Schmerzmittel etwas Blut aus den Ports wurde dieses sofort abgewischt und das Bett nach Möglichkeit gereinigt bzw. Die Bettwäsche zur nächsten Gelegenheit gewechselt als ich wieder aufstehen konnte. Der Umgangston war immer freundlich und das Personal immer hilfsbereit, egal mit wem ich sprach und was ich wollte. Ich hatte nie das Gefühl, das meine Sorgen nicht ernst genommen wurden oder das mein Input unerwünscht war. Die Ärzte und Chirurgen mit denen ich sprach waren auch extrem geduldig und freundlich. Jede Frage wurde beantwortet und ich habe mich gut aufgehoben gefühlt.
I'm St. Georg war es leider anders. Um meine vier kleinen Einschnitte am Bauch herum waren überall Blutflecken, und es sah aus als hätte sich niemand auch nur bemüht das mal etwas abzuwischen. In Folge dessen war natürlich auch das Bett stellenweise etwas blutig. Am verwirrendsten waren aber die Blutflecken an Stellen, die mit der OP überhaupt nichts zu tun hatten. An Händen und Beinen befand sich Blut, das nicht oder nur oberflächlich weggewischt worden war. Die Pflaster um meine Zugänge lösten sich bereits nach wenigen Stunden und störten sogar das Personal bei der Gabe meiner Schmerzmittel, aber wurden nicht erneuert. Niemand machte sich die Mühe irgendetwas zu reinigen wenn bei der Medikamentengabe etwas Blut auf meine Hand oder das Bett gelangte. Schwestern und Ärzte waren kurz angebunden, nahmen sich kaum Zeit und allgemein fühlte ich mich irgendwann mehr wie eine Belastung als wie ein Patient.
Hat irgendwer anders noch solche Erfahrungen gemacht? Ist dieser krasse Unterschied zwischen Krankenhäusern normal? Ich war auch in beiden Fällen gleich versichert, also daran wird's nicht gelegen haben. Ist das UKL einfach überdurchschnittlich gut oder das St. Georg einfach leider unterdurchschnittlich? Ich hatte vor diesen beiden Eingriffen nie wirklich was mit Krankenhäusern zu tun, also sind diese beiden Erfahrungen alles was ich zum vergleichen habe.