Anlässlich des AfD-Siegs in Sachsen-Anhalt: Sowohl in Deutschland bei der AfD als auch bei uns bei der FPÖ gibts seit vielen, vielen (...) Jahren regelmäßig die altbekannten Artikel, Kommentare, Diskussionen wie schlimm das alles ist, wie das alles sein kann, wie ur arg Rechts die Wähler doch sein müssen, wie Schwurblerisch, pro-Russisch und überhaupt.
Ich frag mich dann immer, wie es bitte sein kann, dass offenbar der Großteil der ach so moralisch guten, gebildeten, intelligenten "Wähler der Mitte" den evidenten Punkt einfach nicht sieht, nicht sehen will. FPÖ, AfD usw. sind primär eines: Protest. Klar gibts überall auch versprengte "Überzeugte", der typische Wähler einer solchen Partei ist aber nicht *für* etwas sondern *dagegen*. Gegen was? Gegen die aktuellen Politiker, den aktuellen Zustand. Was genau? Lässt sich oft gar nicht konkret Festmachen. Zu hohe Preise. Unleistbare bessere Wohnungen. Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt usw. usf. Viele kommen dann immer daher und meinen obergscheit, dass die FPÖ/AfD diese Themen doch nicht besser lösen wird!111!einselfz!1. Leute. Darum gehts nicht. Das wissen sogar die meisten FPÖ/AfD-ler, dass alles vermutlich nicht wahnsinnig besser werden wird.
Ein klassischer FPÖ oder AfD-Wähler ist vergleichbar mit einem grantigen Kind, das exakt das macht, was Mama und Papa zur Weißglut treibt. Je mehr sich Mama und Papa ärgern, desto besser. Je mehr "wir" uns drüber ärgern, dass "die anderen" FPÖ bzw AfD wählen, desto wirkungskräftiger. Jede Diskussion darüber, dass man das "verbieten" muss, wie dumm die doch sind, wie abartig, gießt Öl ins Feuer, verhärtet die Front, führt dazu, dass die Faust noch ein bisschen stärker geballt wird. Und wenn man schon selber die A-Karte hat, dann kann man die Gesamtsituation für die anderen zumindest auch verschlechtern. Dann gehts zumindest allen schlecht(er), nicht nur einem selber. Wie das Kind, das beim Spielen am Verlieren ist und dann das Spielbrett durchs Zimmer schmeißt. Wenn man schon selber nicht gewinnt, kann man zumindest allen anderen auch das Spiel ruinieren.
Daher ist die Antwort auf die Farce auch unaufgeregt und direkt langweilig: Man "besiegt" diese Protestparteien indem man nüchterne, fade, funktionierende Sachpolitik macht. (Nur) damit entzieht man den Nährboden. Die Leute brauchen Perspektive, müssen sehen, dass das tägliche Hackln irgendein Ziel hat. Inflation, Wohnen, Infrastruktur, Gemeinschaft, Kultur - das muss einfach nur funktionieren. Und das schaut aktuell halt eher mäßig aus, sowohl bei uns als auch in DE...